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WAZ
WAZ vom 22. Mai 1999
Der etwas andere Frucht-Genuß aus Sythen
Erst das Brennen. Dann der Genuss - Na denn Prost, sagen Wolf-Rüdiger von Elbwart und Herbert Wang. Die beiden Sythener haben die Lizenz zum Schnapsbrennen. Vor der selbstgebauten Edelstahl-Destille lassen sie sich das Ergebnis ihrer hauseigenen Produktion schmecken. Mehr über den etwas anderen fruchtigen Genuß:
Nicht billig, aber lecker
- Guter Geist im blanken Bottich: Schnapsbrennen in Sythen
Schnaps ist Schnaps? Von wegen! Man frage nur Herbert Wang. Der 63-jährige ist Inhaber einer Obstschnaps-Brennlizenz. Die hat ins ganz Nordrhein Westfalen außer ihm nur noch ein Privatmann, weshalb der Sythener mit Fug und Recht "ausgesuchter Fachmann für geistige Getränke" genannt werden darf.
1972 kaufte die Familie aus Herne das Haus in der Grotekampsiedlung. Anfangs freute sie sich noch über die Obstmengen, die es in dem großen Garten zu ernten gab. Auf Dauer wurde es zu viel. Und wenn es in einem Jahr viele Äpfel, Pflaumen, Kirschen usw. gibt, haben ja alle rundum ebenso genug. So kam Herbert Wang, Maschinenbau-Techniker und Tüftler aus Leidenschaft, zusammen mit seinem Nachbarn Wolf-Rüdiger von Elbwart 1984 auf die Schnapsidee.
Früher, man frage nur die Eltern, haben alle Schnaps gebrannt, oft taten sich ganze Nachbarschaften dazu zusammen. Was nicht unklug war, denn Schwarzbrennen war natürlich auch damals streng verboten. Und verheimlichen lässt sich das Brennen wegen des Geruchs schlecht.
Herbert Wang und Wolf-Rüdiger von Elbwart waren sich einig: "Schwarzbrennen ist nicht drin." Also bemühten sie sich um eine Konzession. Dafür ist das Hauptzollamt in Bochum zuständig. "Ich hatte Glück", berichtet Herbert Wang, "es war gerade eine Konzession zurückgegeben worden, sonst hätte ich vielleicht keine bekommen." Einfach war es dennoch nicht: Die Zöllner forderten eine schriftliche Schilderung, wie die Schnapsbrenner vorgehen wollten. Die wälzten etliche Bücher.
"Es sollen nur frisch geerntete Früchte verwendet werden", beschreiben sie die Maische-Zubereitung. "Aus Äpfeln und Birnen werden Druck- und Faulstellen herausgeschnitten, Blatt- Stiel-, Blütenreste, Kerngehäuse oder Steine sind zu entfernen, faulige Beeren, Pflaumen, Kirschen etc. auszulesen." In welchem Gefäß/Durchschlag das Obst gewaschen, welche Früchte wie zerkleinert werden, worin sie gären sollen, alles gilt es aufzulisten.
Ebenso penibel die Beschreibung des Brennvorganges. Eine Zeichnung des Brenngerätes und (!) ein Lageplan auf einem Kataster-Auszug, wo die Anlage stehen wird, komplettiert den Antrag. Als Brenngerät diente damals ein alter DDR-Schnellkochtopf, den Herbert Wang mit allerlei Rohren und Ventilen umgeben hatte.
Im Oktober 1985 kam die Genehmigung "zur Errichtung einer Obst-Abfindungs-Brennanlage und die Zulassung zur Abfindung. Beschränkung: 500 Liter - in zehn Jahren!
Nun durfte experimentiert werden. Wenn Herbert und Anni Wang und Wolf-Rüdiger von Elbwart daran denken, kommen sie ganz ohne Schnaps in Stimmung: "Weißt du noch, als die Maische angebrannt ist?" kichern sie. "Und wie nur so´n grünes Zeug aus dem Hahn lief, weil wir Kupferleitungen eingebaut hatten?" "Damals", lacht von Elbwart, "war gerade unsere Katharina geboren, da hab´ ich eine Obstpresse gekauft und meiner Frau gesagt, ich bräuchte die zum Möhrenpressen." (Wozu sie nur einmal zum Einsatz kam.)
Zum Maische-Herstellen wird sie indes auch nicht mehr gebraucht. Die hat der Maschinenbau-Techniker Wang immer mehr perfektioniert. Auch die Brennanlage. (Wer sich dafür interessiert, kann sich an ihn wenden.)
Blitzblank stehen die beiden Bottiche aus Edelstahl nebeneinander. Aus dem Maischebehälter ragt eine HiltiTE5 heraus: Die treibt das Rührwerk an. Ein Elektro-Thermostat regelt, dass das Obst während der Gärzeit konstant 28 Grad warm bleibt. In vier bis sechs Wochen ist es dann brennreif.
Bevor indes alles in Betrieb kommt, muß stets beim obersten Zollamt in Stuttgart die Litermenge Maische angemeldet worden sein, die gebrannt werden soll. Die schickt dann die Brenngenehmigung. Darin wird - von ihnen berechnet nach der angegebenen Menge Maische - genau die Zeit vorgeschrieben, in der gebrannt werden darf: "Freitag, 14. Oktober, 16 bis 20 Uhr, und Samstag, 15. Oktober, 10 bis 20 Uhr", beispielsweise. Erst kurz zuvor kommt ein Zöllner aus Bochum und entfernt die Plombe. Gleich nachher ist er wieder da und bringt sie an. Und zwischendurch kam schon mal einer schnuppern, ob vielleicht doch mehr... das alles, auch das Ergebnis, wird im "Befundbuch" festgehalten.
Aus Stuttgart kommt auch der Steuerbescheid: 22 Mark pro Liter Alkohol sind zu zahlen. "Billig ist das nicht", sagt Herbert Wang. "Aber lecker!" ergänzen Ehefrau Anni und Nachbar Wolf-Rüdiger. Also ran an´s Brennen: Den Destillations-Bottich heizt ein Gasbrenner an. Ab 40 Grad etwa dampft es aus dem Obstbrei. Der Dampf wird gesammelt, über eine Kühlung geleitet, was abfließt, ist der Alkohol. Diesen (und auch den, der beim Abkühlen frei wird) ziehen die Wangs separat ab: "Er enthält noch Fusselöle und Blausäure, davon kriegen Sie Kopfschmerzen." Nur der "Mittellauf", der bei 80 Grad gelöste, etwa 60 bis 70prozentige Alkohol wird genommen.
Das aber reicht den Sythenern noch nicht. Sie brennen den Schnaps ein zweites und ein drittes Mal, wobei immer nur der Mittellauf ihre Gnade findet. Zum Schluss hat der Alkohol eine Konzentration von 90 % - und die höchste Reinheitsstufe. "Den kriegen Sie sonst nirgends", ist Herbert Wang überzeugt. (Bei ihm käuflich auch nicht.)
Damit der Schnaps ein Genuss wird, wird er mit Wasser oder auch Obstsaft auf 38 bis 40 % Alkoholgehalt verdünnt.
Ein Gläschen (nicht nur) für Feiertage: Auf die Gesundheit!
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WAZ vom 24. August 1994
Firma Wang zog in neues Gebäude
Die Räumlichkeiten in dem kleinen Gebäude am Sythener Grotekamp waren einfach zu klein: Die Firma Wang, Maschinen- und Apparatebau GmbH, vergrößerte sich und suchte ein neues Domizil. In Dülmen wurde sie fündig, hier bezog das Unternehmen, zu dessen Kunden in erster Linie Lebensmittelbetriebe wie beispielsweise Brauereien, Schokoladen- oder Margarinefabriken gehören, ein neues Betriebsgebäude. Die 47 Mitarbeiter des Unternehmens sind übrigens damit beschäftigt, Spezialmaschinen wie Kastenförder- oder Reinigungsanlagen herzustellen und zu vertreiben.
Am kommenden Freitag werden die neuen Geschäftsräume in einer offiziellen Feierstunde eingeweiht; ein Rundgang gibt Einblick in den Betrieb. Für die Mitarbeiter hat die Firma am Samstag eine Einweihungsfeier organisiert.
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